Hörsturz | einseitige Taubheit | Tinnitus | Cochlea Implantat |
Meine Hörreise
Diese Seite ist kein medizinisches Fachportal. Sie ist mein persönlicher Erfahrungsraum.
Für Betroffene, Angehörige und alle, die verstehen wollen, wie sich ein Hörsturz, die einseitige Taubheit und das Leben mit einem CI wirklich anfühlen.
Meine Hörreise – von 100 auf 0 in einem Moment.
Manchmal verändert sich das Leben nicht durch einen lauten Knall, sondern durch das abrupte Verstummen.
So war es bei mir.
Anfang November 2024 verbrachten wir ein ruhiges Wochenende mit unseren Kindern. Nichts deutete darauf hin, dass sich mein Leben wenige Stunden später grundlegend verändern würde. Am Freitagabend hörte ich plötzlich auf meinem linken Ohr nichts mehr. Einfach so. Ich sagte sofort zu meinem Mann: „Irgendetwas stimmt nicht.“
Nach etwa 30 Minuten kam das Gehör zurück. Ich beruhigte mich selbst, redete mir ein, es sei vielleicht eine Erkältung. Heute weiß ich: Es war vermutlich ein erster Hörsturz, den ich ignoriert habe. Ob ich etwas hätte anders machen können? Das weiß niemand. Und diese Frage hilft mir heute auch nicht mehr weiter.
Am Sonntagmorgen, dem 3. November 2024, war das Gefühl wieder da. Mein Ohr war „zu“, als hätte jemand Watte hineingestopft. Dieses Mal blieb es so.
Am Montag saß ich direkt beim HNO. Die Diagnose: Hörsturz. Ich bekam Kortison-Tabletten und wurde mit den Worten entlassen, dass sich das vermutlich von selbst wieder geben würde. Zwei Wochen später solle ich zur Kontrolle kommen. Ich klammerte mich an diese Hoffnung.
Doch in der Nacht von Montag auf Dienstag änderte sich alles.
Ich wachte auf, wollte zur Toilette gehen – und die Welt drehte sich. Ich konnte kaum stehen, kippte zur Seite, mir wurde übel, ich musste mich übergeben. Ich hatte keinerlei Kontrolle mehr über meinen Körper. Der Schwindel hielt stundenlang an. Am nächsten Tag wurde ich ins Krankenhaus eingewiesen.
Es folgten Tage voller Untersuchungen, Kortison-Infusionen, Medikamente gegen Übelkeit und Schwindel, neurologische Tests und Gespräche. Die Diagnose wurde immer klarer: vollständiger Hörverlust links und ein Ausfall des Gleichgewichtsorgans auf derselben Seite.
Was mir in dieser Zeit am meisten zu schaffen machte, war nicht einmal die Taubheit – sondern der Schwindel. Ich konnte nicht mehr richtig laufen, alles drehte sich. Ich sagte damals: „Ich trage gerne ein Hörgerät, bitte lass nur diesen Schwindel wieder weggehen.“ Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass mir ein Hörgerät nicht mehr helfen würde.
Eine Woche später folgte eine Tympanoskopie – ein kleiner Eingriff, der vielleicht doch noch etwas retten sollte. Aber auch dieser brachte keine Veränderung. Und irgendwann fiel der Satz, den ich nicht hören wollte:
„Wir können aktuell nichts mehr für Sie tun. Bitte informieren Sie sich über die Möglichkeiten eines Cochlea-Implantats.“
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mein Gehör noch nicht aufgegeben. Ich war noch nicht bereit für diese Realität.
In den folgenden Monaten stellte ich mir immer wieder dieselbe Frage: Kommt das Gehör vielleicht doch zurück? Und ich antwortete mir – und anderen – immer wieder mit einem vorsichtigen „Vielleicht“. Denn es hieß: Wenn sich in den ersten sechs Monaten nichts verbessert, ist der Schaden meist dauerhaft.
Sechs Monate später wusste ich: Es kommt nicht zurück. Ich bin einseitig taub. Diese Erkenntnis tut auch heute noch weh – selbst wenn ich gelernt habe, damit zu leben.
Parallel begann ich, mich über das Cochlea-Implantat zu informieren. Es war mühsam, alle notwendigen Informationen alleine zusammen zu tragen. Für mich war aber schnell klar: Ich werde diesen Zustand nicht einfach akzeptieren, wenn es eine Lösung gibt. Auch aus Angst, dass mein gutes Ohr irgendwann ebenfalls betroffen sein könnte. Ich wollte wieder Handlungsspielraum, Kontrolle und Perspektive.
In dieser Zeit begann ich auch, meine Hörreise öffentlich zu teilen. Ich spreche offen über meinen Hörsturz, die Taubheit und meine Gedanken dazu. Viele Menschen haben mir geschrieben, dass sie sich in meiner Geschichte wiederfinden. Dass sie sich zum ersten Mal verstanden fühlen. Genau deshalb spreche ich darüber.
Ich habe mein Gleichgewicht inzwischen zurückgewonnen. Anfangs konnte ich kaum zwei Schritte geradeaus gehen. Heute fahre ich wieder Fahrrad, gehe mit meinen Kindern Achterbahn, bewege mich wieder frei.
Und dann traf ich die Entscheidung, die alles veränderte: Ich lasse mich implantieren.
Ich war eine geeignete Kandidatin, nichts sprach medizinisch dagegen. Am 24. Juni 2025 wurde ich operiert. Die OP verlief ohne Komplikationen. Zwei Tage später wurde der Prozessor erstmals aktiviert – ein Moment, den ich nie vergessen werde.
Hier endet dieser Teil meiner Geschichte.
Denn alles, was danach kommt – das neue Hören, das Lernen, die Fortschritte und Herausforderungen – ist eine eigene Reise.
👉 Wenn du selbst betroffen bist: Du bist nicht allein.
Nach meinem Hörsturz dachte ich, ich sei allein. Heute weiß ich: Austausch ist einer der wichtigsten Schritte auf diesem Weg.
Mich erreichen täglich Fragen – per Kommentar, Nachricht oder Reaktion. Viele davon ähneln sich. Genau deshalb sammle ich sie hier.
💛 Hinweis
Diese Antworten ersetzen keine ärztliche Beratung, sondern basieren auf meinem Wissen, meinen Recherchen und persönlichen Erfahrungen.
Jede Hörreise ist individuell. Wenn du darüber hinaus fragen hast, kannst du mir natürlich gerne schreiben!
Kommt mein Gehör vielleicht doch wieder zurück?
In den ersten Tagen und Wochen nach einem Hörsturz besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass sich das Gehör teilweise oder vollständig erholt. Deshalb wird häufig zunächst abgewartet und behandelt (z. B. mit Kortison).
Bleibt jedoch über mehrere Monate hinweg keine messbare Verbesserung bestehen, ist die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Erholung deutlich geringer. Ab diesem Zeitpunkt gilt der Hörverlust in vielen Fällen als dauerhaft.
Wann dieser Punkt erreicht ist, ist individuell – entscheidend sind regelmäßige audiologische Kontrollen und eine ehrliche ärztliche Einschätzung.
Hätte ich etwas anders machen können? Ist Stress wirklich die Ursache?
Die Ursachen eines Hörsturzes sind bis heute nicht eindeutig geklärt.
Stress wird häufig genannt, ist jedoch keine bewiesene alleinige Ursache. Auch Durchblutungsstörungen, virale Prozesse oder andere Faktoren werden diskutiert.
In den meisten Fällen lässt sich im Nachhinein keine konkrete Ursache festmachen.
Sich selbst die Schuld zu geben, hilft weder medizinisch noch emotional – wichtig ist der Blick nach vorne und der Umgang mit der aktuellen Situation.
Wann ist ein Cochlea-Implantat eine Option – und wann nicht?
Ein Cochlea-Implantat kommt dann infrage, wenn ein Hörgerät keinen ausreichenden Nutzen mehr bringt oder gar nicht mehr wirksam ist – zum Beispiel bei hochgradigem Hörverlust oder Taubheit.
Ob ein CI möglich ist, wird in spezialisierten Kliniken durch Voruntersuchungen geprüft (Hörtests, Bildgebung, medizinische Abklärung).
Ein CI ist keine „letzte Verzweiflungslösung“, sondern eine etablierte medizinische Versorgung, wenn andere Optionen ausgeschöpft sind.
Klingt das Hören mit einem CI natürlich?
Nein – zumindest nicht am Anfang.
Das Hören mit einem Cochlea-Implantat unterscheidet sich vom natürlichen Hören und erfordert Zeit, Training und Geduld.
Sprache, Geräusche und Musik werden vom Gehirn neu verarbeitet. Mit regelmäßiger Nutzung und Hörtraining verbessert sich das Verstehen oft deutlich.
Wie „natürlich“ es sich anfühlt, ist individuell und hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem von Dauer der Taubheit, Training und persönlicher Erwartungshaltung.
Wie lange dauert es, bis man mit einem CI gut zurechtkommt?
Das ist sehr unterschiedlich.
Viele Betroffene berichten bereits in den ersten Wochen von ersten Erfolgen, während der gesamte Anpassungs- und Lernprozess Monate bis Jahre dauern kann.
Ein CI ist kein Sofort-Ergebnis, sondern ein langfristiger Prozess. Kontinuität, tägliches Tragen und aktives Hören sind entscheidend.
Ist ein Cochlea-Implantat sichtbar? Sitzt es fest am Kopf?
Der äußere Sprachprozessor wird über einen Magneten gehalten und ist abnehmbar.
Er sitzt im Alltag sicher, kann aber bewusst abgenommen werden (z. B. beim Schlafen, Duschen oder Friseur).
Ob und wie sichtbar ein CI ist, hängt vom Modell, der Frisur und den persönlichen Vorlieben ab. Viele empfinden die Sichtbarkeit mit der Zeit als selbstverständlich.
Was ist mit Tinnitus – wird er durch ein CI besser oder schlechter?
Tinnitus entsteht häufig durch den Hörverlust selbst, nicht durch das CI.
Viele Betroffene empfinden den Tinnitus mit eingeschaltetem Implantat als leiser oder weniger dominant, da wieder Höreindrücke vorhanden sind.
Eine Garantie gibt es nicht – die Erfahrung ist individuell.
Kann ich mit einem CI ein normales Leben führen?
Ja.
Mit einem CI sind Alltag, Beruf, Sport, Reisen und soziale Aktivitäten möglich.
Es gibt Anpassungen und neue Routinen – aber kein „weniger wertiges“ Leben.
Ein CI ist ein Hilfsmittel, kein Einschränkungsstempel.
Entscheidungshilfen
Nach meinem Hörsturz wurde ich mit den Worten entlassen: „Informieren Sie sich über ein Cochlea Implantat (CI)“ – und ich hatte wirklich gar keine Ahnung, was ein CI überhaupt ist. So stand ich da, war auf mich alleine gestellt und wusste nicht wo ich anfangen soll. Damals hätte ich mir eines gewünscht:
Eine klare, ehrliche Orientierung – ohne Druck, ohne Fachchinesisch.
Genau dafür habe ich diese Guides erstellt. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, aber sie helfen dir, fundierte Entscheidungen zu treffen und geben dir einen Wegweiser zum CI. Denn das CI ist keine Entscheidung, die man schnell und uninformiert trifft, sondern eine Lebensentscheidung.

